Früher oder später möchte man einen Menschen oder zumindest dessen Kopf modellieren. Dabei stellt sich die Frage: "Wie modelliere ich Haare?" Ähnliches dürfte einem bei der Gestaltung eines Bärenfells oder der Bekleidung eines Raben durch den Kopf gehen.
Sicherlich kann man mit Hilfe von Texturen und Materialeigenschaften wie "Relief" und "Displacement" eine ganze Menge bewirken - auch mit Extrudieren können "interessante" Effekte erzeugt werden - aber wirklich echt sieht es nicht aus. Davon abgesehen, dass den so erzeugen Haaren bei Bewegungen die Glaubwürdigkeit fehlt, da Texturen nun einmal an einem Körper haften. Haare können aber im Wind wehen, geschüttelt werden oder eine ganz neue Frisur verpasst bekommen.
Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, hat Maxon das Modul "Hair" entwickelt, welches sich nahtlos in Cinema 4D integriert. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus einem komplexen Shader-Modell und erweiterten Dynamics-Elementen.
Um die Wirkungsweise grob zu demonstrieren, zeige ich hier in wenigen Schritten, wie man einen von diesen etwas speziell aussehenden Kunstrasenteppichen erstellt, die vor kurzem Mode geworden sind.
Zuerst wird in die Szene ein einfaches Würfelobjekt gezogen, dass die Form und Farbe eines Teppichs verpasst bekommt (es genügt ein Segment pro Dimension). Um die Szene etwas interessanter zu gestalten, füge ich noch eine Punktlichtquelle mit weichem Schatten und ein Bodenobjekt hinzu. Das Zwischenergebnis sieht wie folgt aus:
Nachdem man im Objektbrowser auf die Matte geklickt hat, wählt man nun im Menü "Hair"->"Hair erzeugen". Daraufhin wird ein neues Hair-Objekt erzeugt, das auf das Objekt "Matte" zeigt. Wie man in der Editoransicht erkennen kann, zeigen die Haare in alle Himmelsrichtungen. Da die Matte nur Gras auf der Oberseite besitzen soll, klickt man im Eigenschaftenbereich des Hair-Objekts auf den Punkt "Guides". Dort gibt es ein Untermenü "Wuchs", bei dem man die Richtung auf die Y-Achse einstellt.
Die Haare wachsen nun nur noch nach oben. Da die Matte noch etwas zu dünn bewachsen ist, muss die Anzahl der erzeugten Haare hochgesetzt werden. Für diese Matte habe ich im Punkt "Haare" die Anzahl auf 5000 festgelegt und mit Hilfe des Punkts "Füllhaare" 10000 weitere Haare erzeugt.
Noch zeigen alle Haare gerade nach oben - das sieht nicht gerade natürlich aus. Im Menü wählt man über "Hair"->"Werkzeuge"->"Bürste" einen handlichen Haarmanipulator aus. Mit der Bürste streicht man nun ganz sanft über die Endpunkte der farblich hervor gehobenen Haare (Standardfarbe: blau). Die erzeugten Haare folgen nun etwas mehr dem Chaosprinzip. Dennoch sieht das Erscheinungsbild noch nicht wie Gras aus.
Dazu verändert man das Material "Haar Material" welches automatisch mit dem Hair-Objekt erzeugt wurde. Im Screenshot kann man erkennen, wie ich den Farbverlauf von "brünett" auf grün-dunkelgrün verändert habe. Um der Natur etwas näher zu kommen, kann man noch einen leichten Kräuseleffekt hinzu schalten (hier 50%) und eine Variation der Dicke in Höhe von 0,5 cm einstellen (immerhin handelt es sich ja um einen Kunstteppich).
Wenn man das Bild nun rendern lässt, bietet sich auf den ersten Blick schon ein recht brauchbares Ergebnis.
Dennoch ist etwas an dem Bild "falsch": Die erzeugten Haare werfen keinen Schatten. Gleiches gilt für die Spiegelung (wenn eine in der Szene vorhanden wäre). Für Schatten und Spiegelungen von Hair-Objekten muss der Cache in den Rendervoreinstellungen aktiviert werden. Dort findet man den "Hair-Renderer" und den Punkt "Rendern", wo die Eigenschaft "Schatten werfen" aktiviert sein muss. Zusätzlich darf im Punkt "Schatten" der Typ des Schattens nicht mit dem Wert "Keiner" belegt sein.
Rendert man das so manipulierte Bild, erscheint die Rasenkunstmatte auch mit Schatten, der dem Bild deutlich mehr Glaubwürdigkeit verschafft:
In der Nahaufnahme erkennt man, wie das Hair-Objekt arbeitet. Wenn man wirklich extreme Nahaufnahmen von Rasen o. ä. benötigt, muss man an dieser Stelle natürlich die Anzahl der Haare erhöhen oder zumindest die Anzahl der verwendeten Segmente erhöhen, damit die Darstellung etwas weicher ist. Aber für dieses Mini-Tutorial genügt das Setting.